Приятного аппетита (Prijatnovo Appetita)

… heißt „guten Appetit“ auf Russisch und den hatten wir auch! Meine erste kulinarische Reise des Jahres führte ins ferne Russland, oder stellvertretend ins Voland, ein russisches Lokal an der Schönhauser Allee. Jeden Donnerstag gibt es dort ein russisches Buffet für 11,90€. Gastgeber war unser Freund Daniel mit seiner Freundin Joana. Daniel ist halb russisch und hat auch einige Zeit in seinem Leben in Russland verbracht. Wobei, so besonders traditionsbewusst ist er nicht gerade. 😛 Denn sonst hätte der liebe Daniel nicht einen Termin vorgeschlagen, der sich bei der Reservierung als das russische Weihnachtsfest herausstellte! (Trotz des Feiertags kostete das Buffet aber nicht mehr als sonst.)

Seit bei uns um die Ecke ein russisches Restaurant eröffnet hat, bin ich ein Riesenfan von der russischen Küche. Das Essen dort ist fantastisch – frisch, abwechslungsreich und günstig dank des Kantinenprinzips. Aber das soll nicht Thema dieses Blogs sein! 😉
Nur, seit der Laden eröffnet hat, fällt es mir sehr, sehr schwer zum Supermarkt ein paar Schritte weiter zu gehen, ohne ein Bokkan (mit Kartoffeln oder Kohl gefülltes, gebratenes Hefegebäck) mitzunehmen oder einen Rote-Beete-Salat zu snacken. Mit entsprechend großer Vorfreude machte ich mich also mit Dennis auf dem Weg, um uns mit Daniel und Joana im Voland zu treffen.

Einrichtung

Das Restaurant besticht durch die gemütlich-nostalgische Einrichtung. | Die massive Bar im Zentrum des Geschehens | Ein Moment der Ruhe für unsere sehr aufmerksame Kellnerin | Stilechte Dekoration in der goldgefliesten Damentoilette.

Das in der Wichertstraße gelegene Restaurant fällt in der Straße erstmal nicht besonders auf. Drinnen versteckt sich aber ein sehr stimmungsvoll eingerichtetes, urig-gemütliches Lokal. Schmuckstück des Innenraums ist die massive holzgetäfelte Bar, das neben allerlei Alkohol und Gläsern auch mit mehreren Samowars dekoriert ist. (Samowars sind diese verzierten metallenen Teekannen, in denen Tee stundenlang vor sich hin köchelt.) Der Blick in die Karte, die auch komplett zweisprachig ist, was immer ein gutes Zeichen ist), enthüllt eine ganze Welt russischer Getränke. Krimsekt und eine große Auswahl an Vodka waren zu erwarten. Aber auch einige außergewöhnlichere nicht-alkoholische Getränke standen zur Auswahl wie Birkensaft oder Kwas (kohlensäurehaltiges Getränk aus vergorenem Roggen und Malz). Daniel und Joanas Vorbild folgend, entschied ich mich dann aber für ein „heißes Schlückchen“, ein wärmender Tee mit weihnachtlichen Gewürzen. Wir mussten dann eine kleine Ewigkeit warten (was angesichts der Vollauslastung am russischen Weihnachten auch nicht weiter verwunderlich war), bis unsere Kellnerin, eine winzige Russin mit niedlichen Akzent, sich mit unseren Getränken durch die dichtgedrängt stehenden Tische und Stühle zu uns schlängelte.

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Das „Heiße Schlückchen“ macht auch optisch was her.

Nachdem wir unsere Getränke hatten, konnten wir uns endlich auf das reichliche Buffet stürzen! Zu meiner großen Freude gab es den von mir angebeteten Rote-Beete-Salat mit Walnüssen. Neben einer Auswahl an pikant-sauer eingelegten Gemüse und kleinen Häppchen (Fotos s.u.) sind vor allem die vielen Salate zu erwähnen. Von russichen Salaten hatte Daniel auch die eine oder andere Geschichte zu erzählen.

Als Daniel einmal auf Feldeinsatz (so nennen Geologen ihre Dienstreisen im Feld) in Kasachstan war, und genoss die dort übliche, äußerst deftige Küche, die aus fettigem Fleisch, Kartoffeln und anderen gehaltvollen Zutaten besteht. Irgendwann hatte er aber genug von den vielen Kalorien und so bestellte er sich im Hotelrestaurant einen Eisbergsalat mit Tomaten und Oliven. Der Salat erfüllte aber nicht so ganz Daniels Hoffnungen: „Was kam, war stattdessen ein Berg aus Mayonnaise, in dem eine kleine Tomate schwamm und ein paar Oliven. Und alles garniert mit geriebenem Käse!“

Vorspeisen

Das Rote-Beete-Carpaccio, ein wahrer Augen- und Gaumenschmaus! | Mein erster Vorspeisenteller | Häppchen mit Sardine | Hering im Pelzmantel, ein weiterer typisch russischer (Schicht-)Salat | Vorspeisenteller, die zweite | Hühnersuppe á la Oma

Zum Salat Olivier (s. Foto) konnte Daniel sogar den Entstehungsmythos liefern: Im 19. Jahrhundert, also zu Zarenzeiten, lebte ein französischer Koch namens Olivier in Moskau. Während dieser Zeit kreierte er diesen Salat, der schnell sehr beliebt wurde. Er bestand aus verschiedenen Zutaten, die damals üblich waren: u.a. Kaviar, Kapern, saure Gurken, Kalbszunge sowie ein Mayonnaise-ähnliches Dressing. Es wurde oft versucht das Rezept zu kopieren, aber keiner kam an das Original ran. Als Olivier verstarb, nahm er sein Rezept mit ins Grab. Hauptbestandteile in der aktuellen Rezeptfassung sind gekochte Fleischwurst, saure Gurken, Kartoffeln, Erbsen, Eier, Möhren und natürlich Mayonnaise. Auch wenn der „neue“ Salat nicht mehr dem ursprünglichen Rezept Oliviers entspricht, ist er aus der festlichen russischen Küche nicht mehr wegzudenken.

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Salat Olivier, der traditionell zu Neujahr gereicht wird

„So kennen wir ihn in der Familie als einen Salat, welcher typischerweise zum russischen Neujahr gereicht wird. Auch beim Geburtstag meiner Mutter darf er nicht fehlen. Er ist schon ziemlich mächtig und deshalb auch eher für den Winter gut. Ein weiterer Vorteil sind auch die einfachen und preiswerten Zutaten. Laut meiner russischen Oma war er deswegen in der Nachkriegszeit sehr beliebt.“, sagt Daniel.

Bei den warmen Gerichten gab es u.a. die äußerst beliebten Pelmeni. Das sind in Wasser gekochte, gefüllte Teigtaschen, ähnlich den deutschen Maultaschen, den italienischen Tortellini oder den chinesischen Jiaozi („dumplings“ auf Englisch). Sobald eine Fuhre dampfender Pelmeni aus der Küche kam, bildete sich sofort eine kleine Schlange an den Warmhaltebehältern. Wir konnten mindestens zwei verschiedene Sorten identifizieren – Fleisch und eine Art Frischkäsefüllung. Mein persönliches kulinarisches Highlight war aber die Kalbszunge überbacken mit Meerrettich und Käse. So zart, dass sie auf der Zunge zergeht! (Besser werden meine Wortspiele nicht mehr! ;D) Das Gericht war trotz des Meerrettichs überraschenderweise gar nicht scharf, stattdessen hat der Meerrettich nur sein feines Aroma an das Fleisch und den Käse gegeben.

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Diesen Hauptgerichten kann ich nicht widerstehen: superzartes Hähnchen mit gebratenen Äpfeln, dampfende Pelmeni, und Kalbszunge mit Buchweizen.

Nach den Pelmeni war ich eigentlich pappsatt! Aber ich bin froh, dass ich mich „überwinden“ konnte, ein Stückchen vom Honigkuchen zu probieren. Dieser hatte eine geniale Konsistenz, unerwartet weich und fluffig. Zum Leidwesen meines Magens konnte ich nicht anders als mir noch einen Nachschlag vom Honigkuchen zu holen (für den ich die Form auskratzen musste, weshalb es kein Bild von diesem luftigen Traum gibt).
Zusammenfassend war es ein rundum gelungener Abend! Daniel, Joana, Dennis und ich haben uns prächtig unterhalten, garniert mit den Anekdoten von Daniel über die russische Küche und Kultur. Bei Tisch haben wir auch schon über zukünftige Diätpläne diskutiert, was nach diesem Essen auch nötig war! Das Buffet für 11,90€ fand ich mehr als „preiswert“, wobei ich nicht einschätzen kann, ob es an Nicht-Weihnachtstagen vielleicht etwas abgespeckter ist. Wiederkommen würde ich auf jeden Fall – nicht unbedingt nochmal zu Weihnachten, aber doch gerne mit guten Freunden.

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Vielen Dank für den schönen Abend, Daniel und Joana!

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