Café português am Sonntag

Sonntagmorgen. Durch die monoton graue Wolkendecke lässt sich die Sonne geradeso erahnen, Nieselregen fällt stoisch auf die menschenleeren Straßen. Was macht man an so einem verregneten Sonntag? Bei einem gemütlichen „Frühstück“ (eher Mittag) mit typisch portugischen Speisen lässt es sich auf jeden Fall aushalten!

Das Café Melro macht mit seiner hellen Fassade schon von außen einen einladenden Eindruck.

Dieses Mal hat mich mein guter Freund Micha ins Café Melro eingeladen. Nach einem Erasmus-Aufenthalt in Lissabon weiß Micha natürlich, wo man in Berlin ein authentisches Stück Portugal findet. 🙂 Dass das im hippen Kreuzberger Graefekiez liegt, ist dann auch nicht weiter verwunderlich. Vor dem Café fallen trotz der tristen Lichtstimmung sofort die strahlend weißen Holzbänke auf, die sich entlang der Ladenfront ziehen. Wie herrlich es sein muss, bei Sonnenschein draußen zu sitzen!

Im Café ist die Inneneinrichtung modern schlicht und naturbetont gehalten.

Als ich mit ordentlicher Verspätung (sorry nochmal, Micha!) im Café ankam, hatte sich Micha schon einen Galão bestellt, ein typisch portugiesischer Milchkaffee aus Espresso und heißer Milch, wie mir Wikipedia verrät. Als Teeliebhaber blieb ich aber bei einem Darjeeling, der zu meiner Freude als lose Teeblätter im Beutel und mit bereits 3 Minuten Brühzeit serviert wurde.

Geradezu, wenn man den Laden betritt, befindet sich die Theke, die appetitanregend mit allerlei süßem Backwerk, belegten Broten und frischem Obst gefüllt ist.

Bestellt wurde dann am Tresen (s. Foto). Auf der Karte stehen verschiedene Aufschnittplatten, Suppen, Salate und warme belegte Brote – alles, was das Schlemmerherz zum Frühstück oder kleinen Mittag begehrt. Natürlich gibt’s kiezgerecht auch eine vegane Aufschnittplatte. Auf Michas Empfehlung hin haben wir uns für eine gemischte Käseplatte entschieden. Von unserem Platz aus konnten wir schön unserer sympathischen Kellerin beim Zubereiten der Platte zuschauen. Zwischendurch verschwand unsere Kellnerin plötzlich im Boden, nein,  nicht „vom Boden“, denn raffinierterweise befindet sich eine Falltür zum Keller direkt hinter dem Tresen! Während wir warteten, kam einmal das Müsli mit Obst zu einem unserer Nachbartische. Serviert im hohen Glas sieht das Müsli richtig Hammer aus! Da weiß ich schon, was ich nächtes Mal nehme! 🙂

Rustikal angerichtete Käseplatte mit diversen Schnitt- und Frischkäsesorten, eingelegtem und frischem Gemüse sowie getoasteten Mehrkornbrötchen.

Die Frühstücksplatte bestand – wer hätte es gedacht – aus mehreren Käsesorten und niedlich-kleinen Brötchen. Besonders viel Spaß hatten wir mit den portugiesischen „Springbohnen“ Diese Bohnen müssen vor dem Verzehr gepellt werden. Die Haut ist aber relativ dick und vor allem elastisch! Das heißt, dass bei jedem zweiten Versuch die Bohne aus der Pelle herauskatapultiert wird, wild über den Tisch fliegt und, wenn man Pech (oder Glück) hat, im Auge des Gegenübers landet. Laut Micha gibt es diese Bohnen überall in Portugal. Sie sind bestimmt der Renner bei portugiesischen Kindern aber wahrscheinlich weniger bei Kellnern! 😉

Portugiesische „Springbohnen“

Auf meine Frage, was denn noch in Portugal gegessen wird, meinte Micha, dass die Küche sehr fischlastig sei. Es gibt einen Stockfisch namens bacalhau, der in tausend Varianten zubereitet wird. Man findet bacalhau in jedem Laden und muss auch nicht lange suchen, wenn man seiner Nase folgt.

Das beste an unserer Platte habe ich mir bis zuletzt „aufgehoben“. Denn dieser weiße Frischkäse war einfach optisch das unscheinbarste auf der Platte. Erst als wir alles andere aufgegessen hatten, probierte ich ihn und er war der cremigste, fluffigste und leckerste Ziegenfrischkäse, den ich jemals probiert habe!

Einen Besuch in einem portugiesischen Lokal muss ich natürlich mit einem Pastel de nata krönen. Diese kleinen, mit Pudding gefüllten Törtchen kannte ich schon lange, bevor ich wusste was Portugal ist. Ich kenne sie nämlich aus meiner Kindheit in China. Dort sind sie bekannt als eine Spezialität aus Macau, einer ehemaligen portugiesischen Kolonie in Südchina. Macau ist das weniger bekannte portugiesische Pendant zu Hongkong. Und wie Hongkong gehört auch Macau inzwischen offiziell zu China, aber genießt als Sonderverwaltungszone gewisse Rechte. So ist Macau das Las Vegas Asiens – die Umsätze, die in den Kasinos von Macau gemacht werden, übersteigen schon seit Jahren die in Las Vegas. Über Macau könnte ich einen ganzen Blogeintrag schreiben, aber das führte für heute zu weit!

Nachtisch aus Galao, Bolo de arroz (fluffiges Törtchen), Pastel de nata und Tee (v.l.n.r.).

Zurück zu den Pastel de nata! Laut Micha gibt es sie in Lissabon überall zu kaufen. Aber Micha ist sogar extra nach Belem gefahren, ein Ort, der in ganz Portugal berühmt für seine Pastel de nata ist und das Rezept streng geheim hält! Besonders die knusprige Kruste der frisch gebackenen Törtchen hält er in guter Erinnerung. Das Pastel de Kreuzberg konnte es wahrscheinlich nicht mit den Pastel de Belem aufnehmen,  mundete aber auch sehr.

Danke, Micha! 🙂

Auch wenn es schwer war sich an diesem Sonntag aus dem Bett zu schälen und in den Nieselregen hinauszutreten, es hat sich gelohnt, Micha! Lass uns wiederkommen, wenn es wärmer wird, um bei gleißenden Sonnenschein draußen zu sitzen, ja? A doce vida!

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