Best of Lateinamerika und Hollywood

Das La Batea empfängt den geneigten Gast im rustikalen, holzlastigen Ambiente mit nostalgischen Ethno-Dekor.

Meine dritte kulinarische Reise führte nach Lateinamerika – im fernen, fernen Charlottenburg! 🙂 Meine teure Freundin Angelina brachte mich ins La Batea. Dem Vernehmen nach war es ursprünglich ein chilenisches Restaurant, aber nach mehreren undurchsichtigen Besitzerwechseln haben sie sich wohl auf den Oberbegriff „lateinamerikanisch“ geeinigt. Darauf wird auf der Karte stolz verwiesen – „Das älteste lateinamerikanische Restaurant von Berlin“, was sie aber nicht davon abhält auch Hamburger anzubieten, dieser Tage wohl unververmeidlich in Berlin. Ansonsten stehen auf der umfangreichen Karte Paella, Tortilla (nicht die mexikanische/Tex-Mex-Variante sondern die spanische, saftige Omelette-Variante), Fajitas, Tapas (ebenfalls unvermeidlich dieser Tage in Berlin), eine große Auswahl an Empanadas (gebackene oder frittierte Teigtaschen), Gegrilltes und Fisch. Wer will, kann den ganzen Tag hier verbringen, von Frühstück bis zum Abend-Cocktail wird alles im La Batea serviert. Diese Vielfalt muss jedoch auf einen späteren Besuch warten, denn diesmal waren wir beim Brunch, der jeden Sonntag von 10-15 Uhr für 8,90€ pro Person stattfindet.

Die Palette an warmen Speisen reicht von frittiertem Fingerfood über Aufläufe bis hin zu verschiedenen deftigen Eintöpfen.

 Das Buffet präsentierte eine schier endlose Auswahl an Speisen, bei der auch Vegetarier –  und Flexitarier wie Angelina 😉 – voll auf ihre Kosten kommen. Hervorzuheben ist das bunte Aufgebot von Salaten, das u.a. Kombinationen mit Meeresfrüchten und Avocado bereithielt. Da wir relativ spät kamen, erst gegen 13 Uhr, waren die Salate leider nicht mehr besonders fotogen. Wem die lateinamerikanische Kost nicht zusagt oder reicht, konnte sich auch an Brot und Aufschnitt gütlich tun.

Mein prall gefüllter Teller mit einem Empanada auf der linken Seite.

Zu diesem studentenfreundlichen Preis kann man sich hier wirklich den Bauch vollschlagen! Alles war geschmacklich solide, auch wenn mich nichts von den Socken gehauen hat. Eine gewisse Schwäche hatte ich zugegebenermaßen für die Empanadas, erfrischend simpel nur mit bissfestem Käse gefüllt und zerbrechlich knusprig frittiert.

Als wir mit den herzhaften Speisen fertig waren, waren die Desserts bereits alle und zu Angelinas Enttäuschung stellten wir fest, dass das Buffet nicht mehr neu aufgefüllt wurde. Denn laut Angelina seien die Desserts beim Brunch besonders gut. Leider muss man dafür früher aufstehen! Zum Glück muss man als Naschmaul in Angelinas Begleitung nicht lange darben. Mit Angelina, deren Lieblingsessen Eierkuchen ist, liegt die süße Erlösung gleich um die Ecke.

Die glückliche Angelina mit ihrem ersten Teller, Mahlzeit!

Einen kurzen Spaziergang später fanden wir uns im vollbepackten Waffle Brothers ein. Dominiert wird dieser kleine Laden von einem gewaltigen Wandgemälde.

Auf dem farbenfrohen Wandgemälde sind auch die namensgebenden Gründerbrüder verewigt.

Bei den Waffle Brothers gibt es Waffeln in drei verschiedenen Größen: Lolly, im Format eines Eis am Stiel; Belgian, als Rechteck (für die Waffelexperten, die Brüsseler Waffel); und Happy, die hierzulande übliche herzförmige Waffel. Da jedes Treffen mit Angelina immer eine „happy occasion“ ist, entschieden wir uns für die Happy Waffle. Damit war aber erst die einfachste Entscheidung getroffen. Sich für eine der vielen Aufstriche und Toppings zu entscheiden, geriet zur Lösung eines multifaktoriellen Problems.

Das Sortiment an Früchten, Streuseln und anderen Toppings lässt Naschkatzenherzen höherschlagen und keine Wünsche übrig.

Nachdem die Bestellung an der Theke geschafft war, ergatterten wir den letzten freien Tisch. Kurze Zeit später kamen auch schon unsere Waffeln. Und was soll ich sagen, alles war perfekt! Die Waffel war saftig, goldgelb und zart mit leichtem Biss. Die Früchte waren frisch und knackig. Die einzige Fortbewegungsart aus diesem Laden ist rollend!

Happy Jia mit meiner ersten Waffel bei den Waffle Brothers – und bestimmt nicht die letzte!

Liebe Angelina, danke für dieses kulinarische All-inclusive-Paket und die langen Gespräche über Gott und die Welt, Klatsch und Tratsch. Meine Lieblingslaborpartnerin und Waffle Sister! 🙂

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Café português am Sonntag

Sonntagmorgen. Durch die monoton graue Wolkendecke lässt sich die Sonne geradeso erahnen, Nieselregen fällt stoisch auf die menschenleeren Straßen. Was macht man an so einem verregneten Sonntag? Bei einem gemütlichen „Frühstück“ (eher Mittag) mit typisch portugischen Speisen lässt es sich auf jeden Fall aushalten!

Das Café Melro macht mit seiner hellen Fassade schon von außen einen einladenden Eindruck.

Dieses Mal hat mich mein guter Freund Micha ins Café Melro eingeladen. Nach einem Erasmus-Aufenthalt in Lissabon weiß Micha natürlich, wo man in Berlin ein authentisches Stück Portugal findet. 🙂 Dass das im hippen Kreuzberger Graefekiez liegt, ist dann auch nicht weiter verwunderlich. Vor dem Café fallen trotz der tristen Lichtstimmung sofort die strahlend weißen Holzbänke auf, die sich entlang der Ladenfront ziehen. Wie herrlich es sein muss, bei Sonnenschein draußen zu sitzen!

Im Café ist die Inneneinrichtung modern schlicht und naturbetont gehalten.

Als ich mit ordentlicher Verspätung (sorry nochmal, Micha!) im Café ankam, hatte sich Micha schon einen Galão bestellt, ein typisch portugiesischer Milchkaffee aus Espresso und heißer Milch, wie mir Wikipedia verrät. Als Teeliebhaber blieb ich aber bei einem Darjeeling, der zu meiner Freude als lose Teeblätter im Beutel und mit bereits 3 Minuten Brühzeit serviert wurde.

Geradezu, wenn man den Laden betritt, befindet sich die Theke, die appetitanregend mit allerlei süßem Backwerk, belegten Broten und frischem Obst gefüllt ist.

Bestellt wurde dann am Tresen (s. Foto). Auf der Karte stehen verschiedene Aufschnittplatten, Suppen, Salate und warme belegte Brote – alles, was das Schlemmerherz zum Frühstück oder kleinen Mittag begehrt. Natürlich gibt’s kiezgerecht auch eine vegane Aufschnittplatte. Auf Michas Empfehlung hin haben wir uns für eine gemischte Käseplatte entschieden. Von unserem Platz aus konnten wir schön unserer sympathischen Kellerin beim Zubereiten der Platte zuschauen. Zwischendurch verschwand unsere Kellnerin plötzlich im Boden, nein,  nicht „vom Boden“, denn raffinierterweise befindet sich eine Falltür zum Keller direkt hinter dem Tresen! Während wir warteten, kam einmal das Müsli mit Obst zu einem unserer Nachbartische. Serviert im hohen Glas sieht das Müsli richtig Hammer aus! Da weiß ich schon, was ich nächtes Mal nehme! 🙂

Rustikal angerichtete Käseplatte mit diversen Schnitt- und Frischkäsesorten, eingelegtem und frischem Gemüse sowie getoasteten Mehrkornbrötchen.

Die Frühstücksplatte bestand – wer hätte es gedacht – aus mehreren Käsesorten und niedlich-kleinen Brötchen. Besonders viel Spaß hatten wir mit den portugiesischen „Springbohnen“ Diese Bohnen müssen vor dem Verzehr gepellt werden. Die Haut ist aber relativ dick und vor allem elastisch! Das heißt, dass bei jedem zweiten Versuch die Bohne aus der Pelle herauskatapultiert wird, wild über den Tisch fliegt und, wenn man Pech (oder Glück) hat, im Auge des Gegenübers landet. Laut Micha gibt es diese Bohnen überall in Portugal. Sie sind bestimmt der Renner bei portugiesischen Kindern aber wahrscheinlich weniger bei Kellnern! 😉

Portugiesische „Springbohnen“

Auf meine Frage, was denn noch in Portugal gegessen wird, meinte Micha, dass die Küche sehr fischlastig sei. Es gibt einen Stockfisch namens bacalhau, der in tausend Varianten zubereitet wird. Man findet bacalhau in jedem Laden und muss auch nicht lange suchen, wenn man seiner Nase folgt.

Das beste an unserer Platte habe ich mir bis zuletzt „aufgehoben“. Denn dieser weiße Frischkäse war einfach optisch das unscheinbarste auf der Platte. Erst als wir alles andere aufgegessen hatten, probierte ich ihn und er war der cremigste, fluffigste und leckerste Ziegenfrischkäse, den ich jemals probiert habe!

Einen Besuch in einem portugiesischen Lokal muss ich natürlich mit einem Pastel de nata krönen. Diese kleinen, mit Pudding gefüllten Törtchen kannte ich schon lange, bevor ich wusste was Portugal ist. Ich kenne sie nämlich aus meiner Kindheit in China. Dort sind sie bekannt als eine Spezialität aus Macau, einer ehemaligen portugiesischen Kolonie in Südchina. Macau ist das weniger bekannte portugiesische Pendant zu Hongkong. Und wie Hongkong gehört auch Macau inzwischen offiziell zu China, aber genießt als Sonderverwaltungszone gewisse Rechte. So ist Macau das Las Vegas Asiens – die Umsätze, die in den Kasinos von Macau gemacht werden, übersteigen schon seit Jahren die in Las Vegas. Über Macau könnte ich einen ganzen Blogeintrag schreiben, aber das führte für heute zu weit!

Nachtisch aus Galao, Bolo de arroz (fluffiges Törtchen), Pastel de nata und Tee (v.l.n.r.).

Zurück zu den Pastel de nata! Laut Micha gibt es sie in Lissabon überall zu kaufen. Aber Micha ist sogar extra nach Belem gefahren, ein Ort, der in ganz Portugal berühmt für seine Pastel de nata ist und das Rezept streng geheim hält! Besonders die knusprige Kruste der frisch gebackenen Törtchen hält er in guter Erinnerung. Das Pastel de Kreuzberg konnte es wahrscheinlich nicht mit den Pastel de Belem aufnehmen,  mundete aber auch sehr.

Danke, Micha! 🙂

Auch wenn es schwer war sich an diesem Sonntag aus dem Bett zu schälen und in den Nieselregen hinauszutreten, es hat sich gelohnt, Micha! Lass uns wiederkommen, wenn es wärmer wird, um bei gleißenden Sonnenschein draußen zu sitzen, ja? A doce vida!

Приятного аппетита (Prijatnovo Appetita)

… heißt „guten Appetit“ auf Russisch und den hatten wir auch! Meine erste kulinarische Reise des Jahres führte ins ferne Russland, oder stellvertretend ins Voland, ein russisches Lokal an der Schönhauser Allee. Jeden Donnerstag gibt es dort ein russisches Buffet für 11,90€. Gastgeber war unser Freund Daniel mit seiner Freundin Joana. Daniel ist halb russisch und hat auch einige Zeit in seinem Leben in Russland verbracht. Wobei, so besonders traditionsbewusst ist er nicht gerade. 😛 Denn sonst hätte der liebe Daniel nicht einen Termin vorgeschlagen, der sich bei der Reservierung als das russische Weihnachtsfest herausstellte! (Trotz des Feiertags kostete das Buffet aber nicht mehr als sonst.)

Seit bei uns um die Ecke ein russisches Restaurant eröffnet hat, bin ich ein Riesenfan von der russischen Küche. Das Essen dort ist fantastisch – frisch, abwechslungsreich und günstig dank des Kantinenprinzips. Aber das soll nicht Thema dieses Blogs sein! 😉
Nur, seit der Laden eröffnet hat, fällt es mir sehr, sehr schwer zum Supermarkt ein paar Schritte weiter zu gehen, ohne ein Bokkan (mit Kartoffeln oder Kohl gefülltes, gebratenes Hefegebäck) mitzunehmen oder einen Rote-Beete-Salat zu snacken. Mit entsprechend großer Vorfreude machte ich mich also mit Dennis auf dem Weg, um uns mit Daniel und Joana im Voland zu treffen.

Einrichtung

Das Restaurant besticht durch die gemütlich-nostalgische Einrichtung. | Die massive Bar im Zentrum des Geschehens | Ein Moment der Ruhe für unsere sehr aufmerksame Kellnerin | Stilechte Dekoration in der goldgefliesten Damentoilette.

Das in der Wichertstraße gelegene Restaurant fällt in der Straße erstmal nicht besonders auf. Drinnen versteckt sich aber ein sehr stimmungsvoll eingerichtetes, urig-gemütliches Lokal. Schmuckstück des Innenraums ist die massive holzgetäfelte Bar, das neben allerlei Alkohol und Gläsern auch mit mehreren Samowars dekoriert ist. (Samowars sind diese verzierten metallenen Teekannen, in denen Tee stundenlang vor sich hin köchelt.) Der Blick in die Karte, die auch komplett zweisprachig ist, was immer ein gutes Zeichen ist), enthüllt eine ganze Welt russischer Getränke. Krimsekt und eine große Auswahl an Vodka waren zu erwarten. Aber auch einige außergewöhnlichere nicht-alkoholische Getränke standen zur Auswahl wie Birkensaft oder Kwas (kohlensäurehaltiges Getränk aus vergorenem Roggen und Malz). Daniel und Joanas Vorbild folgend, entschied ich mich dann aber für ein „heißes Schlückchen“, ein wärmender Tee mit weihnachtlichen Gewürzen. Wir mussten dann eine kleine Ewigkeit warten (was angesichts der Vollauslastung am russischen Weihnachten auch nicht weiter verwunderlich war), bis unsere Kellnerin, eine winzige Russin mit niedlichen Akzent, sich mit unseren Getränken durch die dichtgedrängt stehenden Tische und Stühle zu uns schlängelte.

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Das „Heiße Schlückchen“ macht auch optisch was her.

Nachdem wir unsere Getränke hatten, konnten wir uns endlich auf das reichliche Buffet stürzen! Zu meiner großen Freude gab es den von mir angebeteten Rote-Beete-Salat mit Walnüssen. Neben einer Auswahl an pikant-sauer eingelegten Gemüse und kleinen Häppchen (Fotos s.u.) sind vor allem die vielen Salate zu erwähnen. Von russichen Salaten hatte Daniel auch die eine oder andere Geschichte zu erzählen.

Als Daniel einmal auf Feldeinsatz (so nennen Geologen ihre Dienstreisen im Feld) in Kasachstan war, und genoss die dort übliche, äußerst deftige Küche, die aus fettigem Fleisch, Kartoffeln und anderen gehaltvollen Zutaten besteht. Irgendwann hatte er aber genug von den vielen Kalorien und so bestellte er sich im Hotelrestaurant einen Eisbergsalat mit Tomaten und Oliven. Der Salat erfüllte aber nicht so ganz Daniels Hoffnungen: „Was kam, war stattdessen ein Berg aus Mayonnaise, in dem eine kleine Tomate schwamm und ein paar Oliven. Und alles garniert mit geriebenem Käse!“

Vorspeisen

Das Rote-Beete-Carpaccio, ein wahrer Augen- und Gaumenschmaus! | Mein erster Vorspeisenteller | Häppchen mit Sardine | Hering im Pelzmantel, ein weiterer typisch russischer (Schicht-)Salat | Vorspeisenteller, die zweite | Hühnersuppe á la Oma

Zum Salat Olivier (s. Foto) konnte Daniel sogar den Entstehungsmythos liefern: Im 19. Jahrhundert, also zu Zarenzeiten, lebte ein französischer Koch namens Olivier in Moskau. Während dieser Zeit kreierte er diesen Salat, der schnell sehr beliebt wurde. Er bestand aus verschiedenen Zutaten, die damals üblich waren: u.a. Kaviar, Kapern, saure Gurken, Kalbszunge sowie ein Mayonnaise-ähnliches Dressing. Es wurde oft versucht das Rezept zu kopieren, aber keiner kam an das Original ran. Als Olivier verstarb, nahm er sein Rezept mit ins Grab. Hauptbestandteile in der aktuellen Rezeptfassung sind gekochte Fleischwurst, saure Gurken, Kartoffeln, Erbsen, Eier, Möhren und natürlich Mayonnaise. Auch wenn der „neue“ Salat nicht mehr dem ursprünglichen Rezept Oliviers entspricht, ist er aus der festlichen russischen Küche nicht mehr wegzudenken.

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Salat Olivier, der traditionell zu Neujahr gereicht wird

„So kennen wir ihn in der Familie als einen Salat, welcher typischerweise zum russischen Neujahr gereicht wird. Auch beim Geburtstag meiner Mutter darf er nicht fehlen. Er ist schon ziemlich mächtig und deshalb auch eher für den Winter gut. Ein weiterer Vorteil sind auch die einfachen und preiswerten Zutaten. Laut meiner russischen Oma war er deswegen in der Nachkriegszeit sehr beliebt.“, sagt Daniel.

Bei den warmen Gerichten gab es u.a. die äußerst beliebten Pelmeni. Das sind in Wasser gekochte, gefüllte Teigtaschen, ähnlich den deutschen Maultaschen, den italienischen Tortellini oder den chinesischen Jiaozi („dumplings“ auf Englisch). Sobald eine Fuhre dampfender Pelmeni aus der Küche kam, bildete sich sofort eine kleine Schlange an den Warmhaltebehältern. Wir konnten mindestens zwei verschiedene Sorten identifizieren – Fleisch und eine Art Frischkäsefüllung. Mein persönliches kulinarisches Highlight war aber die Kalbszunge überbacken mit Meerrettich und Käse. So zart, dass sie auf der Zunge zergeht! (Besser werden meine Wortspiele nicht mehr! ;D) Das Gericht war trotz des Meerrettichs überraschenderweise gar nicht scharf, stattdessen hat der Meerrettich nur sein feines Aroma an das Fleisch und den Käse gegeben.

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Diesen Hauptgerichten kann ich nicht widerstehen: superzartes Hähnchen mit gebratenen Äpfeln, dampfende Pelmeni, und Kalbszunge mit Buchweizen.

Nach den Pelmeni war ich eigentlich pappsatt! Aber ich bin froh, dass ich mich „überwinden“ konnte, ein Stückchen vom Honigkuchen zu probieren. Dieser hatte eine geniale Konsistenz, unerwartet weich und fluffig. Zum Leidwesen meines Magens konnte ich nicht anders als mir noch einen Nachschlag vom Honigkuchen zu holen (für den ich die Form auskratzen musste, weshalb es kein Bild von diesem luftigen Traum gibt).
Zusammenfassend war es ein rundum gelungener Abend! Daniel, Joana, Dennis und ich haben uns prächtig unterhalten, garniert mit den Anekdoten von Daniel über die russische Küche und Kultur. Bei Tisch haben wir auch schon über zukünftige Diätpläne diskutiert, was nach diesem Essen auch nötig war! Das Buffet für 11,90€ fand ich mehr als „preiswert“, wobei ich nicht einschätzen kann, ob es an Nicht-Weihnachtstagen vielleicht etwas abgespeckter ist. Wiederkommen würde ich auf jeden Fall – nicht unbedingt nochmal zu Weihnachten, aber doch gerne mit guten Freunden.

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Vielen Dank für den schönen Abend, Daniel und Joana!

Ein Jahr voller Gaumenfreu(n)de

In China essen sie Hunde

Tatsächlich wurde ich noch nie direkt gefragt, ob man in China Hunde isst, wahrscheinlich aus Angst mich mit diesem Klischee zu brüskieren oder sogar rassistisch zu erscheinen. Stattdessen ist eine der häufigsten Fragen, die ich als gebürtige Chinesin höre, was wir zuhause essen oder was man in China isst. Doch viel interessanter als das „was“ ist und war für mich immer das „wie“. Abgesehen den Speisen selbst, unterscheidet sich die chinesische Essenskultur auch in vielen anderen Aspekten fundamental von der deutschen. Als ich mit sechs Jahren nach Deutschland kam, wurde ich ins kalte Wasser geworfen und musste mich durch leidvolle Erfahrung und mühsames Training an die hiesigen Tischregeln anpassen. Erst viel später wurden mir aber die sozialen Unterschiede in der Essenskultur bewusst. In China, oder zumindest wie ich es erlebe, ist Essen Teil jeder sozialen Interaktion. Kein Geschäft, kein Treffen mit Freunden oder der Familie ohne ein gemeinsames Essen. „Aber“, mögt ihr jetzt sagen, Geschäftsessen oder Familienessen gibt es doch auch in Deutschland! Doch was mir fehlt, ist Essen gehen mit Freunden – also nicht die Pizza vor dem Kino oder die Nachos zum Cocktail. In China oder unter Chinesen ist es normal, dass man unter Freunden sich regelmäßig zum Essen einlädt. Aber in meinem Freundeskreis, zugegebenermaßen alles „arme“ Berliner Studenten, ist Essen gehen in einem Restaurant beschränkt auf bestimmte Anlässe wie Geburtstage. Aber warum nicht mal Essen gehen des guten Essens wegen sowie ins Kino gehen des guten Films wegen? Und nicht nur, weil man was zu feiern hat?

Ein ungewöhnlicher Geburtstagswunsch

Der Grund warum ich „arm“ in Anführungszeichen schreibe, ist, dass ich praktisch keine Freunde habe, die es sich wirklich nicht leisten können im Restaurant essen zu gehen. Die Prioritäten liegen nur woanders! Gutes Essen und Genuss am Essen liegen mir am Herzen, dafür habe ich wenige materielle Wünsche. Letztes Jahr vor meinem Geburtstag stand ich also wie jedes Jahr vor der schwierigen Frage, was ich mir zum Geburtstag wünschen könnte. „Ihr müsst mir nichts schenken!“ oder „Bitte schenkt mir nichts!“ hat in den letzten Jahren nie was gebracht. Schließlich hatte ich die Idee, dass ich mir doch einfach wünschen könnte, zum Essen eingeladen zu werden! Das mag jetzt simpel klingen, aber für mich war es eine Epiphanie!

Also habe ich selbst den Anfang gemacht. Zu meinem Geburtstag habe ich alle meine Freunde zusammengetrommelt und zum Essen eingeladen – wohin natürlich: zu einem chinesischen Restaurant. Wir waren im Dajiale in der Goebenstraße, das Spezialitäten aus der nordostchinesischen Provinz Dongbei anbietet. Das Dajiale, das den Charme einer Kantine versprüht – ich paraphrasiere einen yelp-Eintrag, serviert hervorragendes authentisches Essen zu einem sozialverträglichen Preis. Beim Essen, das alle zu meiner großen Freude genossen, eröffnete ich ihnen meinen besonderen Wunsch. Die Spielregeln sind easy: Jeder soll mich im nächsten Jahr zum Essen in eines seiner oder ihrer Lieblingslokale einladen. Außerdem muss es ein Lokal sein, das ich noch nicht kenne. Ansonsten ist alles erlaubt, ob bester Currywurst-Imbiss der Stadt oder feine französische Küche.

Und noch so ein Food-Blog

Nun könnte ich das alles auch machen ohne darüber zu bloggen. Zu viel Freizeit habe ich als Doktorand nun wahrlich nicht! Und Food- oder Restaurant-Blogs gibt’s doch schon wie Sand am Meer, gerade im „hippen“ Berlin.

Ich will ehrlich zu euch sein: ich benutze diesen Blog schlichtweg als Motivation, damit dieses Vorhaben über das Jahr nicht im Sande verläuft, nach dem Motto: „Ihr müsst mit mir essen gehen, sonst habe ich nichts zum Bloggen!“. Und deswegen möchte ich in diesem Blog auch nicht hauptsächlich die Restaurants bewerten oder die Speisen präsentieren (food porn). Ich möchte vielmehr das kleine Glück eines gemeinsamen Gaumenschmauses mit Freunden einfangen. ❤

P.S.

Hunde isst man tatsächlich in China, genauso wie Katzen. Mein Cousin hat mir mal eine Redensart beigebracht, dass Chinesen alles essen, was auf der Erde rumläuft, alles was im Meer schwimmt und alles was in der Luft fliegt. Aber Hund oder Katze gibt es nicht gerade häufig und auch nicht in allen Regionen. Vielleicht kann man es damit vergleichen, wie viel Pferd in Deutschland gegessen wird – wenig aber in gewissen Gegenden nicht untypisch. Und wusstet ihr, dass in Südamerika Meerschweinchen ein völlig normales Gericht ist, aber ein Kaninchenbraten absurd bis abartig wäre? Wie gesagt, Essen ist eine Frage der Kultur!